25. April 2012

Kom­men­tar: Für einen feuch­ten Hän­de­druck eine Zei­tung machen — das Weltkompakt-Projekt der Axel-Springer-AG

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Liebe Mit­tel­hes­sen­blog­le­ser: Wie­der ein Thema, das nicht ori­gi­när mit­tel­hes­sisch ist aber doch auch Mit­tel­hes­sen berührt. Denn die diver­sen Dru­cker­zeug­nisse, die das Haus Sprin­ger ver­las­sen, wer­den sicher­lich auch unter den 1,5 Mil­lio­nen Mit­tel­hes­sen zwi­schen Hai­ger und Lau­ter­bach, Bie­den­kopf und Langgöns-Espa gele­sen. Welt-Kompakt auch. Womit wir bei des Pudels Kern wären.

Denn die soll es am 1. Juli auch geben. Voll­kom­men kos­ten­los her­ge­stellt, jeden­falls was die Inhalte betrifft. Sie müs­sen am Kiosk aber ver­mut­lich wie gewohnt etwas bezah­len. Oder Sie ver­su­chen, die Zei­tung so mit­zu­neh­men. Ver­mut­lich bekom­men Sie dann eine Dieb­stahls­an­zeige. Wohl­ge­merkt: Ich for­dere Sie hier nicht auf, das tun. Dann würde ich mich straf­bar machen. Wegen Anstif­tung zu einer Straf­tat. Im mora­li­schen Sinn tut das aber gerade die Sprin­ger AG. Und das geht so:

Stel­len Sie sich vor, Sie soll­ten mal eben für einen Tag in der Bäcke­rei die Bröt­chen backen, in der Her­ren­ab­tei­lung Anzug­käu­fer bera­ten oder mei­net­we­gen auch für einen Tag die Geschi­cke der Stadt Gie­ßen, Mar­burg, Her­born oder Als­feld len­ken. Sie bekom­men dafür kein Geld, son­dern nur eben die Spe­sen bezahlt. Gut soweit. Aber gesetzt den Fall, Sie sind sel­ber Bäcker, Flei­scher oder gehen sonst einer selb­stän­di­gen oder frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit nach. Ver­mut­lich fän­den Sie es dann auch nicht wit­zig, wenn plötz­lich die Han­dels­kette XY oder der Dis­coun­ter Z oder die über­re­gio­nal arbei­tende Wirt­schafts­prüf­er­ge­sell­schaft  plötz­lich einen Auf­ruf an alle Hob­by­bä­cker, Frei­zeit­schnei­der oder Zah­len­freaks los­ließe: Passt mal auf Leute, wir machen da mal ein Expe­ri­ment und Ihr dürft einen Tag mal die Bröt­chen backen, die Wurst machen oder Bilan­zen prü­fen. Wir zah­len Euch die Anfahrt, Über­nach­tung und das Essen, Außer­dem gibts noch ne geile Party.” Sie als Frei­be­ruf­ler, Selb­stän­di­ger, Gewer­be­trei­ben­der oder mit­tel­stän­di­scher Unter­neh­mer wür­den ange­sichts die­ses Expe­ri­ments wahr­schein­lich nich beson­ders druck­reife Gedan­ken haben. Und ver­mut­lich wür­den die Zei­tun­gen in Ihrer Region dar­über schrei­ben und dar­auf hin­wei­sen, wel­ches schlechte Signal von einem sol­chen Expe­ri­ment für die Wirt­schaft aus­ginge, wenn es sich denn als Wie­der­ho­lungs­tat ent­pup­pen würde. Die Auf­re­gung geschähe zu Recht. Denn am Ende stün­den unter Umstän­den Ein­künfte, Exis­ten­zen auf dem Spiel.

So weit so gut.

Aber genau die­ses Sze­na­rio ent­wi­ckelt gerade die Sprin­ger AG. Mit ihrem Ver­such, nam­hafte und weni­ger nam­hafte blog­gende Jour­na­lis­ten, Blog­ger und sons­tige Medi­en­men­schen ein­zu­la­den und für einen Tag das „Inter­net zu dru­cken” wie es mitt­ler­weile in Netz­krei­sen heißt.

In der Blog­ger­szene oder Blo­gos­phere wer­den in die­ser Sache bereits inten­sive Debat­ten ob des Sinns oder Unsinns geführt.

Sprin­ger will nur die Kos­ten  des Auf­ent­halts der Teil­neh­mer über­neh­men, aber kein Hono­rar zah­len. Dafür soll aber ein pro­fes­sio­nel­les Pro­dukt ent­ste­hen, das auch ver­kauft wer­den soll.  Vor dem Hin­ter­grund seien die jüngs­ten Urteile zum Geba­ren der Sprin­ger AG gegen­über freien haupt­be­ruf­li­chen Jour­na­lis­ten erwähnt. Die Sprin­ger AG wurde darin auf­ge­for­dert, ange­mes­sene Hono­rare zu zah­len. Das Urteil hat Signal­wir­kung für das gesamte Bun­des­ge­biet, für Ber­lin genauso wie für Hes­sen, NRW oder Bay­ern.  Vor dem Hin­ter­grund sollte man das Weltkompakt-Experiment mit ande­ren Augen sehen.

Im fol­gen­den der Ver­weis auf  ein mög­li­ches Kos­ten­bei­spiel, das  als Kom­men­tar des Mit­tel­hes­sen­blog bei Gefühls­kon­serve erschie­nen ist

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Comments

  1. So wie ich das ver­stan­den habe, ist man auf Grund des Wir­bels zurück­ge­ru­dert und biete jetzt doch ein Hono­rar an. Was aber an der ursprun­g­li­chen Inten­sion nichts ändert.

  2. Lie­ber Daniel Schultz,

    herz­li­chen Dank für den Kom­men­tar. Ich bereite gerade eine offene Anfrage vor, die ich an den Pres­se­spre­cher der Sprin­ger AG per Mail sen­den werde. Die Anfrage und eine wie auch immer aus­fal­lende Reak­tion oder Nicht­re­ak­tion werde ich hier eben­falls online stellen.

    Chris­toph v. Gallera

    Mit­tel­hes­sen­blog

  3. Dann drück ich mal die Dau­men! Chris­toph Keese hat am Mon­tag erst einen Ter­min mit Kai Bier­mann und mir plat­zen lassen:

    http://www.presseschauer.de/?p=1180

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